Mit 51 Jahren führten Komplikationen nach einer größeren Operation im Bauchraum bei Brigitte Scharikow zu einem chronischen Nierenversagen und sie war auf die Dialyse angewiesen. Zunächst ging sie dafür dreimal wöchentlich für mehrere Stunden ins Marienhospital Marl. Eine Transplantation wurde aus medizinischen Gründen ausgeschlossen. Um Alltag und Dialyse besser miteinander vereinbaren zu können, ließ sich Brigitte Scharikow 2022 im benachbarten KfH-Nierenzentrum gemeinsam mit ihrem Mann für die Dialyse zu Hause trainieren. Auch wenn die Heimhämodialyse für sie die bessere Behandlungsform war, die Einschränkungen beim Essen und bei der Trinkmenge und auch die Erschöpfung nach der körperlich belastenden Dialysebehandlung blieben. Daher war es für sie eine große Erleichterung, als weitere Untersuchungen ergaben, dass sie doch transplantiert werden konnte und ihr Mann als Nierenspender infrage kam. Seit nunmehr zwei Jahren lebt Brigitte Scharikow mit der transplantierten Niere. „Dank der Nierenspende meines Mannes habe ich wieder sehr viel mehr Lebensenergie, kann wieder Sport treiben und mit Genuss essen“, freut sich die heute 59-Jährige. Auch lange Waldspaziergänge gemeinsam mit Mann und Hund könne sie wieder genießen.
Heute geht Brigitte Scharikow nur noch alle sechs Wochen zu den Nachsorgeuntersuchungen in das KfH-Nierenzentrum Marl zu ihrer behandelnden Ärztin Birgit Rogowski. „Die Nierentransplantation ist in der Regel die bessere Nierenersatztherapie, denn sie führt meist zu weniger Folgeerkrankungen und bedeutet für die Patientinnen und Patienten eine höhere Lebenserwartung und ein Plus an Lebensqualität“, weiß die Fachärztin für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. Die Wartezeit auf eine postmortal gespendete Niere liege in Deutschland im Durchschnitt bei acht Jahren, sofern man keine Möglichkeit für eine Lebendspende habe. Immerhin, so Rogowski, könne mit der Dialyse die lange Wartezeit auf eine Spenderniere überbrückt werden. Von 8.202 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation hofften im vergangenen Jahr 6.237 auf eine Spenderniere. „Um mehr Transplantationen zu ermöglichen, ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen eine Entscheidung zur Organspende treffen“, betont die Ärztin.
Positive Entwicklung bei der Nierentransplantation
Die aktuellen Zahlen aus dem Jahresbericht 2025 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigen eine ermutigende Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 2.266 Nieren transplantiert – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 2.075 Nierentransplantationen im Jahr 2024. Die Niere bleibt das mit Abstand am häufigsten transplantierte Organ. 1.594 der transplantierten Nieren stammen aus postmortalen Spenden, 672 aus Lebendspenden. Der Anteil der KfH-Patientinnen und Patienten an den bundesweiten Nierentransplantationen lag 2025 bei 23,5 Prozent.
KfH spricht sich für die Widerspruchslösung aus
Die aktuelle Debatte im Deutschen Bundestag, in der eine fraktionsübergreifende Gruppe einen Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung vorgestellt hat, während eine zweite Gruppe auf die Stärkung der Freiwilligkeit setzt, zeigt: Das Thema Organspende bewegt die Gesellschaft. Das KfH begrüßt den Gesetzentwurf ausdrücklich, denn für Patientinnen und Patienten bedeutet eine erfolgreiche Transplantation die Rückkehr zu einem selbstbestimmten Leben.

