Als Anja Fröhlich 27 Jahre alt war, wurde bei ihr eine erblich bedingte Erkrankung der Nierenkörperchen festgestellt. Im Laufe der folgenden 12 Jahre ließ die Funktion der Nieren immer weiter nach: Blutdruckschwankungen, Wassereinlagerungen und Übelkeit belasteten die junge Frau immer stärker und im August 2019 musste sie an die Dialyse. Da die Notwendigkeit einer Nierenersatztherapie schon vorher absehbar war, hatte ihr Ehemann bereits abklären lassen, dass er als Nierenspender infrage kommt. So war es möglich, dass Anja Fröhlich schon nach einem halben Jahr an der Dialyse transplantiert werden konnte. Auch wenn durch die unterschiedlichen Blutgruppen von ihr und ihrem Mann eine starke medikamentöse Unterdrückung des eigenen Immunsystems nötig ist, um eine Abstoßung der Spenderniere zu verhindern, geht es der heute 47-Jährigen deutlich besser: „Ich fühle mich frei und leicht, habe keine Übelkeit und keine Angstzustände mehr“. Die gelernte Physiotherapeutin und Heilpraktikerin arbeitet sogar stundenweise in ihrem körperlich anstrengenden Beruf. „Ich habe immer versucht, mich auf das Leben zu fokussieren und nicht auf die Krankheit. Das hat mir geholfen, durchzuhalten“, erzählt Anja Fröhlich.
Heute geht Anja Fröhlich nur alle drei Wochen zur Nachsorgeuntersuchung zu ihrer behandelnden Ärztin Dr. med. Kathrin Biolik in das KfH-Nierenzentrum Berlin-Köpenick. „Die Nierentransplantation ist in der Regel die bessere Nierenersatztherapie, denn sie führt meist zu weniger Folgeerkrankungen und bedeutet für die Patientinnen und Patienten eine höhere Lebenserwartung und ein Plus an Lebensqualität“, weiß die Fachärztin für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. Die Wartezeit auf eine postmortal gespendete Niere liege in Deutschland im Durchschnitt bei acht Jahren, sofern man keine Möglichkeit für eine Lebendspende habe. Immerhin, so Biolik, könne mit der Dialyse die lange Wartezeit auf eine Spenderniere überbrückt werden. Von 8.202 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation hofften im vergangenen Jahr 6.237 auf eine Spenderniere. „Um mehr Transplantationen zu ermöglichen, ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen eine Entscheidung zur Organspende treffen“, betont die Ärztin.
Positive Entwicklung bei der Nierentransplantation
Die aktuellen Zahlen aus dem Jahresbericht 2025 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigen eine ermutigende Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 2.266 Nieren transplantiert – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 2.075 Nierentransplantationen im Jahr 2024. Die Niere bleibt das mit Abstand am häufigsten transplantierte Organ. 1.594 der transplantierten Nieren stammen aus postmortalen Spenden, 672 aus Lebendspenden. Der Anteil der KfH-Patientinnen und Patienten an den bundesweiten Nierentransplantationen lag 2025 bei 23,5 Prozent.
KfH spricht sich für die Widerspruchslösung aus
Die aktuelle Debatte im Deutschen Bundestag, in der eine fraktionsübergreifende Gruppe einen Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung vorgestellt hat, während eine zweite Gruppe auf die Stärkung der Freiwilligkeit setzt, zeigt: Das Thema Organspende bewegt die Gesellschaft. Das KfH begrüßt den Gesetzentwurf ausdrücklich, denn für Patientinnen und Patienten bedeutet eine erfolgreiche Transplantation die Rückkehr zu einem selbstbestimmten Leben.

