Als Franz Dirnecker Anfang 30 war, führte eine chronische Entzündung der Nierenkörperchen zu einem Nierenversagen und er musste zur Dialysebehandlung ins KfH-Nierenzentrum Rosenheim. Um ihm ein Leben ohne die körperlich belastende, mehrstündige Behandlung dreimal in der Woche zu ermöglichen, überraschten seine Frau und ihr Bruder ihn mit der Nachricht, dass der Schwager als Spender infrage käme. Nach verschiedenen Untersuchungen und Gesprächen war es so weit: Im Juli 1997 konnte Franz Dirnecker transplantiert werden. „Man kann mit der Dialyse einigermaßen gut überleben, ist aber oft müde und nicht belastbar“, erinnert sich der heute 64-Jährige an sein Leben vor der Transplantation. Nach der Transplantation habe er etwa ein Jahr für die Regeneration gebraucht. „Dann habe ich wieder ‘Bäume ausreißen' können!“ Gut 25 Jahre sei er mit vollem Einsatz in der eigenen Landwirtschaft tätig gewesen, bis er nun den Hof langsam an seinen jüngsten Sohn übergibt. Nach wie vor hilft er seiner Schwester und ihrem Mann in deren Forstwirtschaft, unterstützt weiterhin auf dem Hof seines Sohnes und hilft auch im familieneigenen Hofcafé aus. „Nur nicht den Kopf in den Sand stecken“ – das war und ist Franz Dirneckers Lebensmotto.
Heute geht Franz Dirnecker nur noch zwei Mal im Jahr zu den Nachsorgeuntersuchungen ins KfH-Nierenzentrum Rosenheim zu seinem behandelnden Arzt Dr. med. Andreas Thiele. „Die Nierentransplantation ist in der Regel die bessere Nierenersatztherapie, denn sie führt meist zu weniger Folgeerkrankungen und bedeutet für die Patientinnen und Patienten eine höhere Lebenserwartung und ein Plus an Lebensqualität“, weiß der Facharzt für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. Die Wartezeit auf eine postmortal gespendete Niere liege in Deutschland im Durchschnitt bei acht Jahren, sofern man keine Möglichkeit für eine Lebendspende habe. Immerhin, so Thiele, könne mit der Dialyse die lange Wartezeit auf eine Spenderniere überbrückt werden. Von 8.202 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation hofften im vergangenen Jahr 6.237 auf eine Spenderniere. „Um mehr Transplantationen zu ermöglichen, ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen eine Entscheidung zur Organspende treffen“, betont der Arzt.
Positive Entwicklung bei der Nierentransplantation
Die aktuellen Zahlen aus dem Jahresbericht 2025 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigen eine ermutigende Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 2.266 Nieren transplantiert – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 2.075 Nierentransplantationen im Jahr 2024. Die Niere bleibt das mit Abstand am häufigsten transplantierte Organ. 1.594 der transplantierten Nieren stammen aus postmortalen Spenden, 672 aus Lebendspenden. Der Anteil der KfH-Patientinnen und Patienten an den bundesweiten Nierentransplantationen lag 2025 bei 23,5 Prozent.
KfH spricht sich für die Widerspruchslösung aus
Die aktuelle Debatte im Deutschen Bundestag, in der eine fraktionsübergreifende Gruppe einen Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung vorgestellt hat, während eine zweite Gruppe auf die Stärkung der Freiwilligkeit setzt, zeigt: Das Thema Organspende bewegt die Gesellschaft. Das KfH begrüßt den Gesetzentwurf ausdrücklich, denn für Patientinnen und Patienten bedeutet eine erfolgreiche Transplantation die Rückkehr zu einem selbstbestimmten Leben.

