Eine Autoimmunkrankheit der kleinen Blutgefäße führte dazu, dass 2015 auch die Kleinstgefäße in den Nieren von Maik Tücking in Mitleidenschaft gezogen wurden. Knapp zwei Jahre später war die Nierenfunktion so beeinträchtigt, dass er auf die Dialyse angewiesen war. Nach neun Jahren Wartezeit erhielt er im Februar dieses Jahres dank Organspende eines verstorbenen Menschen eine passende Spenderniere. So kurz nach der Transplantation muss Maik Tücking zwar noch alle zwei Wochen ins KfH-Nierenzentrum Wesel zur Nachsorgeuntersuchung, aber immerhin nicht mehr dreimal wöchentlich zur mehrstündigen Dialysebehandlung. „Das ist ein deutlicher Gewinn an Zeit und Lebensqualität. Und auch die rigiden Ernährungs- und Trinkvorgaben sind nun Geschichte“, berichtet Tücking. Sein Körper erhole sich zunehmend von der kräftezehrenden Dialyse und auch Zukunftsplanungen seien langsam wieder möglich „Meine Frau und ich wollen den Maas-Radweg gemeinsam fahren. Daran war mit der regelmäßigen Dialysebehandlung nicht zu denken. Jetzt planen wir eine vier- bis fünftägige Radtour“, freut sich Maik Tücking.
„Die Nierentransplantation ist in der Regel die bessere Nierenersatztherapie, denn sie führt meist zu weniger Folgeerkrankungen und bedeutet für die Patientinnen und Patienten eine höhere Lebenserwartung und ein Plus an Lebensqualität“, weiß Dr. med. Yasemin Sirin, stellvertretend leitende Ärztin des KfH-Nierenzentrums Wesel. Die Wartezeit auf eine postmortal gespendete Niere liege in Deutschland im Durchschnitt bei acht Jahren, sofern man keine Möglichkeit für eine Lebendspende habe. Immerhin, so Sirin, könne mit der Dialyse die lange Wartezeit auf eine Spenderniere überbrückt werden. Von 8.202 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation hofften im vergangenen Jahr 6.237 auf eine Spenderniere. „Um mehr Transplantationen zu ermöglichen, ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen eine Entscheidung zur Organspende treffen“, betont die Ärztin.
Positive Entwicklung bei der Nierentransplantation
Die aktuellen Zahlen aus dem Jahresbericht 2025 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigen eine ermutigende Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 2.266 Nieren transplantiert – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 2.075 Nierentransplantationen im Jahr 2024. Die Niere bleibt das mit Abstand am häufigsten transplantierte Organ. 1.594 der transplantierten Nieren stammen aus postmortalen Spenden, 672 aus Lebendspenden. Der Anteil der KfH-Patientinnen und Patienten an den bundesweiten Nierentransplantationen lag 2025 bei 23,5 Prozent.
KfH spricht sich für die Widerspruchslösung aus
Die aktuelle Debatte im Deutschen Bundestag, in der eine fraktionsübergreifende Gruppe einen Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung vorgestellt hat, während eine zweite Gruppe auf die Stärkung der Freiwilligkeit setzt, zeigt: Das Thema Organspende bewegt die Gesellschaft. Das KfH begrüßt den Gesetzentwurf ausdrücklich, denn für Patientinnen und Patienten bedeutet eine erfolgreiche Transplantation die Rückkehr zu einem selbstbestimmten Leben.

