Als Rudi Postler Mitte 30 war, wurde bei ihm eine chronische Entzündung der Nierenkörperchen festgestellt, die sich in den folgenden 20 Jahren langsam aber zunehmend verschlechterte. Trotz der Erkrankung ließ er sich nie unterkriegen: Um sich mit anderen über das Leben mit der Nierenerkrankung und deren Auswirkungen zum Beispiel auf die Ernährung auszutauschen, schloss er sich der örtlichen Selbsthilfegruppe für nierenkranke Menschen an. 2010 übernahm er die Leitung des Bamberger Dialysevereins und engagierte sich für die Aufklärung über Organspende. Parallel war er weiterhin als Elektriker berufstätig. Mit Mitte 50 ließ seine Nierenfunktion so weit nach, dass eine Nierenersatztherapie notwendig wurde. Um ihm die Dialysebehandlung zu ersparen, spendete seine Frau ihm eine ihrer Nieren. Seit nunmehr 14 Jahren lebt Rudi Postler mit seiner transplantierten Niere. „Dank der Nierenspende meiner Frau kann ich heute wieder ein fast normales Leben führen – zum Beispiel auch ohne besondere Ernährungseinschränkungen“ – so beschreibt der heute 70-Jährige sein Leben seit der Transplantation.
Heute geht Rudi Postler nur noch alle sechs Wochen zu den Nachsorgeuntersuchungen ins KfH-Nierenzentrum Bamberg zu seiner behandelnden Ärztin Dr. med. Helga Piehler. „Die Nierentransplantation ist in der Regel die bessere Nierenersatztherapie, denn sie führt meist zu weniger Folgeerkrankungen und bedeutet für die Patientinnen und Patienten eine höhere Lebenserwartung und ein Plus an Lebensqualität“, weiß die Fachärztin für Nieren- und Hochdruckerkrankungen. Die Wartezeit auf eine postmortal gespendete Niere liege in Deutschland im Durchschnitt bei acht Jahren, sofern man keine Möglichkeit für eine Lebendspende habe. Immerhin könne mit der Dialyse die lange Wartezeit auf eine Spenderniere überbrückt werden. „Durch diese zusätzliche Behandlungsmöglichkeit neben der Transplantation können wir in der Nierenheilkunde auch ein Weiterleben für Patientinnen und Patienten ermöglichen, für die eine Nierentransplantation aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt“, ergänzt Piehler. Von 8.202 Menschen auf der Warteliste für eine Organtransplantation hofften im vergangenen Jahr 6.237 auf eine Spenderniere. „Um mehr Transplantationen zu ermöglichen, ist es wichtig, dass möglichst viele Menschen eine Entscheidung zur Organspende treffen“, betont die Ärztin.
Positive Entwicklung bei der Nierentransplantation
Die aktuellen Zahlen aus dem Jahresbericht 2025 der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zeigen eine ermutigende Entwicklung: Im vergangenen Jahr wurden in Deutschland insgesamt 2.266 Nieren transplantiert – ein deutlicher Anstieg gegenüber den 2.075 Nierentransplantationen im Jahr 2024. Die Niere bleibt das mit Abstand am häufigsten transplantierte Organ. 1.594 der transplantierten Nieren stammen aus postmortalen Spenden, 672 aus Lebendspenden. Der Anteil der KfH-Patientinnen und Patienten an den bundesweiten Nierentransplantationen lag 2025 bei 23,5 Prozent.
KfH spricht sich für die Widerspruchslösung aus
Die aktuelle Debatte im Deutschen Bundestag, in der eine fraktionsübergreifende Gruppe einen Gesetzentwurf zur Widerspruchslösung vorgestellt hat, während eine zweite Gruppe auf die Stärkung der Freiwilligkeit setzt, zeigt: Das Thema Organspende bewegt die Gesellschaft. Das KfH begrüßt den Gesetzentwurf ausdrücklich, denn für Patientinnen und Patienten bedeutet eine erfolgreiche Transplantation die Rückkehr zu einem selbstbestimmten Leben.

