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01.06.2022 | Neu-Isenburg/Offenbach

Tag der Organspende am 4. Juni: Mehr Lebensqualität dank Nierenspende

Rund 100.000 Menschen sind in Deutschland auf die lebensnotwendige Dialysebehandlung angewiesen. Carmela di Sabatino aus Offenbach war eine von ihnen. Die Bereitschaft ihres Bruders zur Lebendnierenspende hat jedoch zu einer positiven Wende in ihrem Leben geführt. Viele andere werden weiter auf eine Transplantation warten müssen, denn die Entwicklung der Organspende im ersten Quartal 2022 weist auf einen massiven Einbruch hin. Der Tag der Organspende will zu einer Verbesserung der Situation beitragen.

Bei Carmela di Sabatino versagten mit 43 Jahren die Nieren aufgrund einer angeborenen Nierenerkrankung. Bereits als absehbar wurde, dass ihre Nierenfunktion immer geringer wurde, war ihr Bruder bereit, ihr eine seiner Nieren zu spenden, um ihr die Dialysebehandlung zu ersparen. Es gab sogar schon einen Termin für die Transplantation – und dann kam Corona. Und Carmela di Sabatino musste doch dreimal wöchentlich zur Dialysebehandlung ins KfH-Nierenzentrum Offenbach. Nach acht Monaten an der Dialyse wurde sie im Juni 2021 transplantiert. „Ich fühle mich wie neu geboren und nehme wieder am Leben teil“, berichtet die heute 45-Jährige. Sie sei wieder leistungsfähiger, fühle sich rundum besser und könne endlich wieder ohne die mit der Dialysebehandlung verbundenen Einschränkungen leben: „Mein Bruder hat mir ein neues Leben geschenkt.“

Heute muss die Patientin nur noch alle drei Monate zur Nachsorgeuntersuchung zu ihrem behandelnden Arzt. „Ich habe mich sehr gefreut, dass Frau di Sabatino eine Niere gespendet bekommen hat. Eine Nierentransplantation ist für viele die bessere Nierenersatztherapie, sie führt zu weniger Folgeerkrankungen und im Durchschnitt zu einer höheren Lebenserwartung und steigert insgesamt die Lebensqualität“, erläutert der Offenbacher Nephrologe Dr. med. Friedrich-Christian Burchardi, leitender Arzt im KfH-Nierenzentrum und im MVZ KfH-Gesundheitszentrum Offenbach. Neben dem Organmangel könnten aber auch medizinische Gründe gegen eine Transplantation sprechen, ergänzt er. So können z. B. die Begleiterkrankungen im hohen Alter ein Ausschlusskriterium sein oder aber auch vorübergehend z. B. eine Krebserkrankung oder Infektion. „Dann ist die Dialyse die einzige, lebensrettende Therapie“, betont der Nephrologe.

Massiver Einbruch bei den Organspenden im 1. Quartal 2022 

Von den rund 8.700 Menschen in Deutschland auf der Warteliste für eine Organspende hoffen nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) mehr als 6.500 Patienten auf eine Nierentransplantation; die Wartezeit liegt im Durchschnitt bei sechs bis acht Jahren. Nur für wenige Menschen geht der Wunsch nach einer Nierentransplantation als Alternative zur lebenslangen Dialyse in Erfüllung: Grund hierfür ist insbesondere der Organmangel – die Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) zum ersten Quartal 2022 sind ernüchternd.

Nachdem sich die Organspende im vergangenen Jahr leicht positiv entwickelt hatte, vermeldet die DSO für die ersten drei Monate des laufenden Jahres einen massiven Einbruch von 29 Prozent gegenüber demselben Zeitraum im Vorjahr. Die Anzahl der Organspender ist damit auf 176 gesunken (Vergleichszeitraum 2021: 249). Gleichzeitig ging die Anzahl der in Deutschland postmortal entnommenen Organe um 28 Prozent auf 562 Organe im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück. Insgesamt konnten in deutschen Transplantationszentren im ersten Quartal 600 Organe übertragen werden, die über Eurotransplant an die Patientinnen und Patienten auf den Wartelisten vermittelt wurden. Das sind 194 Transplantationen weniger gegenüber dem Vorjahreszeitraum, was einem Rückgang von 24 Prozent entspricht.

Tag der Organspende: Entscheiden und dokumentieren

Umso wichtiger ist der diesjährige Tag der Organspende: Am ersten Samstag im Juni sollen durch Information und Aufklärung möglichst viele Menschen motiviert werden, eine eigene Entscheidung zur bzw. im besten Fall pro Organspende zu treffen und diese zu dokumentieren. Antworten auf wichtige Fragen zur Organspende und Organspendeausweise finden Interessierte z. B. auf www.tagderorganspende.de/informationen-ueber-organspende.

Hintergrundinformation:

Im KfH‐Nierenzentrum und im MVZ KfH-Gesundheitszentrum Offenbach (www.kfh.de/offenbach) werden Patientinnen und Patienten umfassend nephrologisch behandelt: In der nephrologischen Sprechstunde steht die Prävention und Früherkennung chronischer Nierenfunktionsstörungen sowie möglicher Folgeerkrankungen an erster Stelle. Auch die kontinuierliche Betreu­ung nach einer Nierentransplantation erfolgt im Rahmen der nephrologischen Sprechstunde. Darüber hinaus werden chronisch nierenkranken Patientinnen und Patienten alle Dialyseverfahren angeboten: Mit der Bauchfell‐ und der Hämodialyse stehen dabei zwei grundsätzlich gleichwertige Behandlungs­möglichkeiten zur Wahl.

Das KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. steht für eine qualitativ hochwertige und integrative nephrologische Versorgung nierenkran­ker Patientinnen und Patienten. Es wurde im Jahr 1969 gegründet und ist damit zugleich der älteste und größte Dialyseanbieter in Deutschland. In mehr als 200 KfH-Zentren werden über 18.000 Dialysepatientinnen und -patienten sowie aktuell rund 72.000 Sprechstundenpatientinnen und -patienten umfassend behandelt.

Bildunterschrift: Carmela di Sabatino erhielt 2021 eine Lebendnierenspende ihres Bruders. Foto: privat.

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