04.12.2014 | Neu-Isenburg

Nachtdialyse erhöht Lebenserwartung und -qualität

KfH veröffentlicht Kohortenstudie zur Nachtdialysebehandlung.

Eine vom KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. initiierte Analyse der Behandlungsdaten von Nachtdialysepatienten liefert erstmalig in Europa den wissenschaftlichen Beleg darüber, in welchem Ausmaß sich diese Behandlungsmethode steigernd auf die Lebenserwartung von Nachtdialysepatienten auswirkt. Eine parallel dazu durchgeführte Befragung entsprechender Patienten belegt ebenso eine deutliche Erhöhung der wahrgenommenen Lebensqualität.

Bei der retrospektiven Kohortenstudie mit 1.150 Nachtdialysepatienten zeigte sich eine um 17 Prozent verminderte Sterblichkeit im Verlauf von 4 Jahren im Vergleich zu anderen Dialysepatienten. Als Ursache der aus Expertensicht deutlich verbesserten Lebenserwartung wird die längere und schonendere Entgiftungs- und Entwässerungsbehandlung - 24 statt 12 Stunden pro Woche - angesehen. Diese Auffassung bestätigt sich einerseits bei der Betrachtung der Blutdruck- und Stoffwechseleinstellung der Nachtdialysepatienten und andererseits bei der zusätzlich durchgeführten Umfrage bei Nachtdialysepatienten aus 76 KfH-Nierenzentren. Nachtdialysepatienten zeigten eine verbesserte Blutdruckeinstellung und eine geringere Phosphatbelastung mit weniger Tabletten in dem untersuchten wissenschaftlichen Datensatz.

Für die Studie wurde die wissenschaftliche Methodik der propensity scores in Verbindung mit konventionellen Überlebensanalysen genutzt. Dabei wurde jeder Nachtdialysepatient fünf anderen Dialysepatienten mit einem identischen Risikoprofil gegenübergestellt (d.h. 1.150 Nachtdialysepatienten zu 5.750 Kontrollpatienten). Diese anerkannte Vergleichsmethodik konnte insbesondere durch das langjährig etablierte KfH-Qualitätsregister „QiN“ (Qualität in der Nephrologie) ermöglicht werden, welches in der deutschen Dialyselandschaft einzigartig ist.

Ergänzt werden die Erkenntnisse aus der Studie durch eine im Juli und August 2014 durchgeführte anonyme Patientenbefragung bei rund 500 Nachtdialysepatienten. Alle im KfH-Qualitätsregister „QiN“ identifizierten Nachtdialysepatienten erhielten einen Fragebogen, in dem ihre Erwartungen an die Dialyseform Nachtdialyse und die Erfüllung dieser Erwartungen abgefragt wurden.

 

·      Für 31 Prozent der Patienten stand die Erwartung nach weniger Tabletteneinnahme an erster Stelle  und wurde zu 42 Prozent erfüllt.

·   Bei der Erwartung einer höheren Lebensqualität war der Erfüllungsgrad 85 Prozent, hier spielte    insbesondere der Erhalt des normalen Tagesablaufs und der Berufstätigkeit eine wichtige Rolle.

·      76 Prozent empfinden eine Verbesserung vor allem wegen geringerer Einschränkungen beim Essen und Trinken, d. h. einer liberaleren Dialysediät.

Die Ergebnisse beider Erhebungen wurden erstmals im Rahmen der 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie am 5. September 2014 in Berlin vorgestellt und mit Fachexperten diskutiert. Durch die ergänzenden Ausführungen der am Helsinki University Central Hospital - einem renommierten Zentrum für alternative (Heim-)Dialyseformen - tätigen Wissenschaftlerin Dr. Virpi Rauta war es möglich, die Erkenntnisse der retrospektiven Kohortenstudie im Vergleich mit anderen international erhobenen Studien aus Kananda, USA, Finnland, Türkei und Frankreich auch unabhängig bewerten zu können. Hierdurch wurde erstmals zweifelsfrei bewiesen, dass die im KfH überdurchschnittlich verbreitete Nachtdialysebehandlung bei den ausgewählten Patienten große Vorteile gegenüber den Standardverfahren hat. Die Verbesserungen des statistischen Überlebens erreichen oder überschreiten die kanadischen, französischen, amerikanischen und finnischen Daten. Die Verbesserung der Behandlungszufriedenheit ist ein wissenschaftlich bisher nicht bekannter Befund.

Beleuchtet wurde im Rahmen der Ergebnispräsentation gemeinsam mit anderen in der Methode erfahrenen Tagungsteilnehmern in Berlin auch der Aspekt der Behandlungssicherheit. Im Gegensatz zu den am Tag stattfindenden Dialyseverfahren bergen die reduzierten Lichtverhältnisse bei schlafenden Patienten während der Nachtstunden Risiken durch die eingeschränkte Shuntüber­wachung. Um das Risiko eines Nadelverlustes zu reduzieren, muss daher sehr genau auf die Einhaltung der relevanten Sicherheitsmaßnahmen, wie zum Beispiel gute Fixierung des Arms und eine entsprechende Einstellung des venösen Druckalarms, geachtet werden. Apparativ-automatisierte Überwachungsmöglichkeiten zur optischen Bluterkennung sind noch nicht wissenschaftlich ausreichend untersucht, beinhalten aber mögliche Sicherheitserhöhungen bei zugleich höheren Kosten. Sie sind deshalb noch nicht als Standard für Nachtdialysebehandlungen anzusehen.

Die vom KfH durchgeführten Wirtschaftlichkeitsberechnungen zeigen, dass wegen der höheren Personalintensität die Behandlungen nicht kostendeckend erbracht werden können. Dies hat zur Folge, dass die Nachtdialyse derzeit nur von rund einem Drittel aller KfH-Zentren mit entsprechenden organisatorischen Voraussetzungen angeboten werden kann. Das KfH prüft angesichts der vorliegenden Studie und Patientenbefragung intern, ob die Nachtdialyse weiter ausgebaut werden kann. Gleichzeitig soll mit den Partnern der Bundesmantelverträge die Diskussion über eine kostendeckende Vergütung dieser innovativen und patientenorientierten Behandlungsform fortgesetzt werden.

 

Hintergrundinformation:

Das KfH (www.kfh.de) steht für eine qualitativ hochwertige und integrative nephrologische Versorgung nierenkranker Patienten. Mehr als 20 Prozent aller Dialysepatienten in Deutschland werden in den über 200 KfH-Zentren (KfH-Nierenzentren und Medizinische Versorgungszentren) bundesweit behandelt; Hinzu kommen 52.000 Patienten in den Sprechstunden. Gegründet wurde das KfH vor 45 Jahren und ist somit der älteste und größte Dialyseanbieter und nephrologischer Versorger in Deutschland mit über 7.200 qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

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